Über Jahrzehnte wurde Beleuchtung im öffentlichen Raum primär über ihre Helligkeit definiert. Gute Beleuchtung galt als möglichst hell, gleichmäßig und flächendeckend – bewertet anhand messbarer Werte wie Beleuchtungsstärke oder Gleichmäßigkeit, nicht anhand visueller Qualität. Dieses Denken ist tief in technischen Regelwerken, politischen Entscheidungsprozessen und im Sicherheitsverständnis vieler Städte verankert – und längst überholt.


In der Praxis führte diese Logik häufig zu Überdimensionierungen. Aus Unsicherheit und der Sorge, „zu wenig Licht“ bereitzustellen, wurden Beleuchtungsniveaus erhöht, ohne deren Wirkung im Raum differenziert zu betrachten. Der Lichtmasterplan Ingolstadt stellt dieses Paradigma bewusst infrage – nicht aus gestalterischem Selbstzweck, sondern auf Grundlage physiologischer, wahrnehmungspsychologischer und stadträumlicher Erkenntnisse.
Im Zentrum steht der Sehkomfort: die Qualität des Sehens im nächtlichen Raum.
