Beleuchtung für Unterführungen

AUSSENBELEUCHTUNG

Unterführungen – Übergänge gestalten, Sicherheit schaffen, Identität stiften

Unterführungen gehören zu den sensibelsten Orten des öffentlichen Raums. Oftmals noch als Un-Orte oder Angsträume wahrgenommen, sind sie in Wahrheit hoch relevante Bestandteile der urbanen Infrastruktur. Sie verbinden Quartiere, fungieren als Brücken oder schaffen Zugänge und un prägen Bewegungsströme im Alltag. Wo Beleuchtung fehlt oder unzureichend ist, entstehen Unsicherheit und Isolation – doch mit durchdachter Gestaltung können Unterführungen zu Orten mit städtebaulicher und atmosphärischer Qualität werden.

  • Bindeglied für Stadtstrukturen und Mobilität
  • Häufig unterschätzt und potenziell problematisch
  • Vielfältige Gestaltungsoptionen durch ihren Ausnahmecharakter
Augsburg Mobilitätsdrehscheibe

Schwelle, Prozess, Transformation

Unterführungen markieren Schwellen zwischen Stadträumen. Besucher verlassen einen vertrauten Ort, durchqueren eine Transformationszone und treten in eine neue urbane Umgebung ein. Dieser Prozess der Transition ist nicht nur funktional, sondern auch atmosphärisch bedeutsam. Licht, Raumgestaltung und Materialien prägen die Wahrnehmung dieses Übergangs und vermitteln neben Orientierung auch Identität.

  • Schwellenraum mit atmosphärischer und funktionaler Bedeutung
  • Licht als zentraler Faktor für Identität und Orientierung

Die Wirkung einer Unterführung steht und fällt mit dem Lichtkonzept. Funktionale und künstlerische Ansätze entfalten nur unter guten Lichtbedingungen ihre volle Wirkung. Zentral ist die visuelle Adaptation am Portal: Tagsüber führt der Übergang vom Sonnenlicht ins Dunkel und beim Austritt in Blendlicht oft zur „Höhlenwirkung“; nachts kehrt sich dieses Verhältnis um.

Ein Lichtkonzept, welches auf veränderliches Tageslicht eingeht, gleicht diese Extreme aus, schafft Sicherheit und eröffnet zugleich atmosphärische Inszenierungsmöglichkeiten. Dies lässt sich bereits in statischen Systemen mit dem richtigen Umgang mit Leuchtdichten erreichen und kann durch tageslichtabhängige und bedarfsgerechte dynamische Steuerungen optimiert werden. 

München Kustermann Unterfuehrung
Kennwerte und Normen

Licht als prägender Faktor

Barrierefreiheit und heterogene Nutzung:

Unterführungen müssen allen Nutzergruppen Sicherheit und Orientierung bieten. Barrierefreiheit ist daher ein zentrales Planungsprinzip. Kontrastreiche Lichtführung, beleuchtete Leitstreifen und Orientierungshilfen für sehbehinderte Menschen ermöglichen eine inklusive Nutzung – vom Kind bis zum Senior. Diese Heterogenität stellt besondere Anforderungen an die Lichtplanung:
Fußgänger benötigen Orientierung, Gesichtserkennung und soziale Sicherheit.

  • Radfahrende benötigen klare Linienführung und ausreichende visuelle Tiefe.
  • Der motorisierte Verkehr erfordert Blendungsbegrenzung und eindeutige Fahrbahnlesbarkeit.
  • Eine einheitliche Beleuchtungslösung wird diesen Anforderungen nicht gerecht. Stattdessen sind differenzierte Lichtzonen erforderlich, die sich an der Nutzung orientieren, ohne den Raum zu fragmentieren. Licht wird hier zum Instrument der Priorisierung, nicht der Trennung

Akustik und Aufenthaltsqualität

Das Sicherheitsgefühl wird nicht nur durch Licht, sondern auch durch Klang geprägt. Schallabsorbierende Materialien in Kombination mit einer stimmigen Lichtgestaltung verwandeln Unterführungen von rein funktionalen Passagen in angenehme Räume mit Qualität für Ort und Weg. 

Vernetzung mit dem Stadtraum

Unterführungen sind Teil eines größeren urbanen Gesamtsystems. Ihre Beleuchtung muss sich in die städtischen Licht- und Orientierungskonzepte einfügen. 

Fluchtwege, Notbeleuchtung und technische Systeme müssen jederzeit funktionieren – auch bei Stromausfall, Verschmutzung oder Alterung. Lichtplanung muss diese Aspekte frühzeitig integrieren, statt sie nachträglich technisch „anzuhängen“.
Konsistente Orientierung, fließende Übergänge und eine klare Einbindung in Wege- und Platzsysteme machen sie zu integralen Bestandteilen der urbanen Identität. 
Dauerbetrieb, erhöhte Verschmutzung und eingeschränkte Wartungsfenster erfordern robuste, wartungsarme Systeme mit klaren Lichtverteilungen. Materialqualität, Zugänglichkeit und langfristige Ersatzteilverfügbarkeit sind dabei ebenso entscheidend wie die Lichtwirkung selbst.

Sicherheit, Vandalismus und soziale Kontrolle

Unterführungen sind sensible Räume – deshalb spielt Vandalismusschutz eine große Rolle. Doch er beginnt nicht erst bei Schlagfestigkeit und Abwaschbarkeit. Entscheidend ist die Gestaltung selbst: Helligkeit und Übersichtlichkeit erzeugen soziale Kontrolle, machen Bewegungen sichtbar und reduzieren das Gefühl von Isolation. Eine gut gestaltete Unterführung wird als Wegverbindung aufgesucht und nicht gemieden. 

Zahlreiche Studien zeigen, dass Beleuchtung als sicherheitsrelevanter Faktor nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern im Zusammenspiel mit Raumgestaltung, Nutzungsdichte und sozialer Wahrnehmung wirkt. Sichtbarkeit ermöglicht soziale Kontrolle – und diese wirkt abschreckend auf delinquentes Verhalten.

Wissenschaftliche Evidenz: Licht, soziale Kontrolle und Kriminalprävention

Gut geplante Beleuchtung ist ein bewährtes Mittel zur Steigerung der subjektiven und objektiven Sicherheit in öffentlichen Räumen. Helligkeit und Sichtbarkeit erhöhen die soziale Präsenz und wirken präventiv gegen Vandalismus und Kriminalität – und eine hochwertige Gestaltung wirkt dem „Broken Window“-Prinzip entgegen. Licht ermöglicht durch Sichtbarkeit soziale Kontrolle und führt damit nachweislich zu weniger Straftaten.

Zentrale Forschungsergebnisse:

  • Beleuchtung vs. Videoüberwachung: Meta-Analysen belegen, dass bessere Beleuchtung die Kriminalitätsrate in Bereichen wie Parkhäusern signifikant senkt (Erfolgsquote 1,65) – und dabei wirksamer ist als Videoüberwachung allein.
  • Subjektives Sicherheitsempfinden: Gleichmäßige, warmweiße Beleuchtung steigert das Vertrauen der Nutzer und reduziert Angsträume deutlich.
  • Soziale Kontrolle: Forschungen der Universität Freiburg zeigen, dass klare Sichtbarkeit und Lichtführung soziale Kontrolle aktivieren und das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum erhöhen.
  • Langzeiteffekte: Das „Dudley Project“ (Painter & Farrington, 1999) konnte nachweisen, dass bessere Beleuchtung Eigentumsdelikte, Gewalt und Überfälle signifikant reduziert.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Die Max-Planck-Gesellschaft betont, dass Licht zwar abschreckend wirkt, aber nur als Teil eines Gesamtkonzepts nachhaltig erfolgreich ist.

Licht wirkt doppelt: Es verbessert nicht nur die objektive Sicherheit, sondern auch das subjektive Sicherheitsgefühl. Für Planer bedeutet dies, dass Beleuchtung in Unterführungen, auf Bahnhofsplätzen oder in Konfliktzonen stets als Teil einer integrativen Sicherheitsstrategie zu verstehen ist – im Zusammenspiel mit Raumgestaltung, Akustik und sozialer Kontrolle.

Praxisbeispiel: Lichtkunstprojekt „Studentenweg“

UKK CECAD Juergen Schmidt scaled jpg
UKK CECAD Juergen Schmidt scaled jpg

Wie unterschiedlich Unterführungen durch Licht aufgewertet werden können, zeigen exemplarische Projekte von DAY & LIGHT. Sie verdeutlichen, wie technische Präzision, psychologische Wirkung und künstlerische Gestaltung ineinandergreifen und aus Un-Orten urbane Erlebnisräume machen.

Kunst und Raum für Gestaltung

Unterführungen sind prädestiniert für künstlerische Interventionen. Als Schwellenräume mit außergewöhnlichem Charakter bieten sie ideale Bühnen für Lichtkunst, atmosphärische Inszenierungen und kreative Experimente. Funktionale Sicherheit und gestalterische Qualität können hier eine neue Balance eingehen.

Lichtkunstprojekt „Studentenweg, Universitätsklinikum Köln (CECAD)

Das „Studentenweg“-Lichtkunstprojekt verwandelt den viel frequentierten Durchgang in eine sichere, atmosphärische und identitätsstiftende Passage. Genau an dem Ort des geringsten Tageslichtentrages des gesamten Gebäudekomplexes entsteht ein besonderes Erlebnis durch die Kunstwerke des Metallbildhauers Yoshiyuki Miura. Sie werden mit Sonnen-ähnlichen Lichtstrahlen zum Leuchten gebracht, die darunter auf dem Boden auftreffen. Die intensive Wirkung dieser Verbindung von Objekt, Licht und Raum verwandeln den funktionalen Durchgang zu einem Ort mit besonderem Raumerlebnis, der die Nutzer nicht nur sicher leitet, sondern auch emotional anspricht. Die Kombination aus künstlerischer Lichtinstallation und funktionaler Lichtplanung schafft einen Raum, der Aufenthaltsqualität und Orientierung in Einklang bringt. 

  • Funktionaler Rahmen: klare Wegeführung, Sicherheit und Orientierung. Die Lichtkunstobjekte bilden die Verknüpfungspunkte. 
  • Künstlerische Ebene: atmosphärische Objekt- und Raumgestaltung durch Licht, die den Transit in ein Erlebnis verwandelt. 
  • Synergie: Kunst und Funktion ergänzen sich, ohne die Nutzbarkeit einzuschränken. 

Ein gestalterisches Konzept, das den Raum emotional auflädt und ihn gleichzeitig zuverlässig nutzbar macht – ein Beispiel für die Balance von funktionaler Sicherheit und künstlerischer Intervention. 

Praxisbeispiel: Paul-Heyse-Unterführung, München

Paul Heyse Unterführung
Paul Heyse Unterführung

In der Paul-Heyse-Unterführung wurde das Lichtkonzept gezielt auf die Verbesserung der Raumwahrnehmung und Orientierung ausgerichtet. Die vormals punktuelle, heterogene Beleuchtung wurde durch eine gleichmäßige, wandnahe Lichtführung ersetzt – vollständig integriert und ohne aufgesetzte Leuchten.
Die neue Lichtstruktur reduziert visuelle Enge, unterstützt eine klare Lesbarkeit des Raums und stärkt das Sicherheitsempfinden insbesondere in Zeiten geringer sozialer Kontrolle. Durch die ruhige, blendungsarme Lichtverteilung entstehen keine harten Hell-Dunkel-Kontraste; Raumränder und Bewegungsflächen bleiben durchgängig wahrnehmbar.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Unterführungen durch Licht von funktionalen Durchgangsräumen zu klar strukturierten, akzeptierten Stadträumen entwickelt werden können – mit Fokus auf Wahrnehmung, Orientierung und Betriebssicherheit.

Die Sanierung der Paul-Heyse-Unterführung, nominiert für den Deutschen Lichtdesignpreis 2023, zeigt exemplarisch, wie Technik, Psychologie und Gestaltung ineinandergreifen können. DAY & LIGHT realisierte das Projekt in Kooperation mit Meyer Lighting und weiteren Partnern und setzte auf drei zentrale Maßnahmen:

  • Atmosphärische Inszenierung der historischen Eisenkonstruktion durch königsblaue LED-Beleuchtung.
  • Integration der Lichttechnik in Wandverkleidungen mit künstlerischem Anspruch.
  • Lärmabsorbierende Metallpaneele mit LEDs, die sowohl das Lichtklima als auch die Akustik verbesserten.

Das Ergebnis: ein städtebauliches Beispiel dafür, wie Unterführungen ihre frühere Funktion als Un-Ort ablegen und zu erlebbaren, identitätsstiftenden Stadträumen werden können.

Mehr zu diesem Projekt

Artikel in der Süddeutschen Zeitung

Wichtige Kennwerte und Normen für Unterführungsbeleuchtung

Diese Kennwerte sind essenziell, um die Beleuchtung funktional sicher, komfortabel und energieeffizient zu planen und die Herausforderungen der Lichtadaption und Blendungsvermeidung an Unterführungen bzw. Tunneln zu meistern.

  • DIN 67524-1:2019-01 – Allgemeine Gütemerkmale und Richtwerte zur Beleuchtung von Straßentunneln und Unterführungen mit Kraftfahrzeugverkehr (auch äußerer Kombination mit Fußgängern und Radfahrern)
  • DIN 67524-2:2011-06 – Berechnung und Messung der Lichtparameter (Fahrbahnleuchtdichte, Wandleuchtdichte, Beleuchtungsstärke usw.)
  • Beleuchtungsstärke (horizontal):
  • Fußgängerbereiche: ca. 20 bis 50 Lux
  • Tunnelinnenbereich: abgestufte Leuchtdichte entsprechend Geschwindigkeit und Verkehrsaufkommen
  • Vertikale Beleuchtungsstärke: Erhöht, zur besseren Erkennbarkeit von Personen und Hindernissen
  • Farbtemperatur: 2.700 – 4.000 Kelvin – natürlicher und angenehmer Lichtton mit guter Farbwiedergabe (CRI > 90), oder angepasst auf Tageslichtsituationen und besondere gestalterische Ansätze (1.800 – 6.000 Kelvin), in Kombination mit dem Einsatz farbigen Lichts 
  • Blendungsbegrenzung: Abschirmung der Lichtquelle und Reduzierung extremer Leuchtdichten innerhalb des primären Sichtfeldes 
  • Leuchtdichte-Einstieg (L20-Wert): Anpassung an Außenbeleuchtung zur Vermeidung des „Schwarzes-Loch-Effekts“ am Tunneleingang
  • Dynamische Lichtsteuerung: Anpassung der Helligkeit an Tageszeit, Verkehrsfluss und Nutzungsintensität
  • Normenergänzungen und Richtlinien:
  • RABT (Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln)
  • CIE 88 (Internationale Empfehlungen zur Tunnelbeleuchtung)

Weiterführende Literatur & Studien

  1. Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK), 2005: Wirksamkeit der Videoüberwachung in Kombination mit Beleuchtung.
  2. Dr. Tillmann Schulze, Vortrag beim Deutschen Präventionstag 2017: Wie viel und welches Licht braucht erfolgreiche Kriminalprävention?
  3. Universität Tübingen, 2017: Vollzugshilfe „Sicherheit in öffentlichen Räumen.
  4. Universität Freiburg, Institut für Umweltpsychologie: Forschung zu Licht und subjektiver Sicherheit.
  5. Kate Painter & David Farrington, 1999: Langzeitstudie „Dudley Project“ – Wirkung von Beleuchtung auf Kriminalitätsraten.
  6. Max-Planck-Gesellschaft, 2023: Die Angst vor Kriminalität bleibt.
München Paul Heyse Unterführung cm
München Paul Heyse Unterführung cm

Unterführungen sind städtebauliche Schwellenräume, deren Qualität maßgeblich durch Licht bestimmt wird. Barrierefreiheit, Akustik, Informationssysteme, Nachhaltigkeit und künstlerische Gestaltung sind die Schlüssel, um aus Angsträumen identitätsstiftende Orte zu machen.

DAY & LIGHT versteht diese Räume als gestalterische und gesellschaftliche Aufgabe: Aus funktionalen Durchgängen werden urbane Erlebnisräume, die Sicherheit, Orientierung und Identität in Einklang bringen.

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